Kakemono / Makimono

Unter kakemono oder kakejiko versteht man japanische, hochformatige Rollbilder; sie wurden während der Heian-Periode (794-1185) aus China in Japan eingeführt. Wie alle frühen Kunstformen, so stand auch die Malerei unter dem Einfluss der chinesischen Kultur. Zunächst primär als Medium für religiös-buddhistische Bilder oder religiöse Kalligraphien und poetische Verse. Nach und nach wurden eigene Stile der nihon-ga (japanische Malerei) entwickelt, Malschulen etablierten sich, und jede verfolgte ihre eigene Richtung. Allerdings wurden erst in der Muromachi-Periode (1333-1573) insbesondere Landschafts-, Tier- und Blumenmotive zu den bevorzugten Objekten auf Bilderrollen.
Aber nicht nur die "Rolle" wurde als Bildträger benutzt, über die Jahrhunderte verwendeten die Künstler ein weites Spektrum unterschiedlichster Medien. Als Mittelform zwischen festen und beweglichen Bildern können die faltbaren Stellschirme (byobu) angesehen werden. Diese zumeist aus 4 oder 6 Segmenten bestehenden Raumteiler boten reichlich Platz für luxuriöse und aufwendige Malereien unterschiedlichster Darstellungen. Aufgrund ihrer Größe fanden sie zunächst vorwiegend in Tempeln und Palästen Platz. Sie wurden besonders von den Tuschmeistern der Muromachi-Periode mit Vorliebe bemalt. Später - in der Edo-Periode (1600-1868) - mehrte sich mit dem Aufstieg der Kaufleute die Nachfrage im einfachen Volk, so dass sich auch betuchte St&aeuml;dter diesen Luxus gestatteten. Die Motive änderten sich dem Zeitgeschmack entsprechend, und die Stellschirme trugen nun überwiegend Motive wie sie auch auf den populären ukiyo-e (Farbholzschnitten) jener Epoche zu finden waren.
Schiebetüren (fusuma oder shoji) waren ebenfalls ein beliebtes Medium der Malerei. Aufgrund des Aufstieges der Lehensfürsten (daimyô) während der Muromachi- (1333-1573) und Momoyama-Periode (1573-1600) und der Errichtung mächtiger Adelssitze und Burgen, zierten auch schon bald herrliche Malereien die Innenwände und Decken jener Herrschaftshäuser. Doch nicht nur die großen Flächen fanden die Aufmerksamkeit der Maler, sondern durchaus auch die Kleinen, so waren beispielsweise Fächer (uchiwara) eine beliebtes Medium der Malerei.
Die Hauptform der beweglichen Bilder stellten natürlich die "Rollen" dar. Hier unterscheidet man die Horizontalen (makimono) und die Vertikalen (kakemono oder kakejiko).

Kakemono (Hängeding):

Rolle, auf die ein Bild oder eine Kalligraphie gemalt ist, mit seidener oder Papier-"Rahmung". Oben mit einer Leiste, an der ein Band zur Aufhängung an der Wand befestigt ist. Unten mit einem runden Stab, um den das Bild zur Aufbewahrung gerollt wird. An der Wand dienen zusätzliche Gewichte (...), um das Bild glatt hängen zu lassen; im Gegensatz zum gaku, dem festgerahmten Bild, und der Querrolle (makimono). Die kagemono werden insbesondere an Festtagen, wenn besonderer Besuch angesagt ist, oder beispielsweise je nach Jahreszeit wechselnde Motive in der traditionellen Bildnische (tokonoma) aufgehängt.
Man unterscheidet zwischen dem hohen (takejuku) und dem breiten (yokojuku).

Makimono (Rollding)

auch e-makimono (e-"Bild"): Lange Bildrollen, die auf der Erde oder einem Tisch vor dem Betrachter von rechts nach links aufgerollt, fortlaufend eine zusammenhängende Landschaftsszenerie oder Darstellungen historischen oder religiösen Inhalts zeigen. Später wurden auch Romane in dieser Art herausgegeben. Hier wechseln Bilder und Texte miteinander ab. Makimono mit reinem Textinhalt ohne Bilder oder nur mit einem Titelbild, ist die älteste Form des ostasiatischen Buches (Buchrolle). Als solches wurde es bereits aus China im 7. Jh. in Japan eingeführt. Reine Bildrollen werden erst im 11. Jh. bekannt. Die Blütezeit dieser Rollbilder beginnt im in der Kamakura-Periode (1185-1333) und dauerte bis in die Muromachi-Periode hinein. Auch makimono mit Gedichten und Kalligraphien waren sehr beliebt. Die Querrollen im Stil der yamato-e gehören zu den lebendigsten künstlerischen Darstellungen in der Kunst Japans und sind einzig in ihrer Art.