Tengu

Vom tengu gibt es verschiedene Arten, alle haben eine lange Nase oder einen langen Schnabel, manche gleichen Weihen, andere Krähen, wieder andere sind menschenähnlich, und nur noch ein Federfächer erinnert an ihre Vogelnatur. Bösartige tengu verschleppen Kinder und haben es besonders auf Mönche und Tempel abgesehen, denn sie sind Feinde des Buddhismus; gutartige tengu bringen ihren menschlichen Freunden das Fliegen bei und unterrichten sie in Kampfkünsten, dass sie, wie der vom tengu des Kurama-Bergs erzogene Yoshitsune, zu unschlagbaren Helden werden. Unter Jägern und Bergbewohnern wurde der tengu respektvoll gefürchtet und gelegentlich als Berggottheit verehrt.

Eine besonders enge Beziehung besteht zwischen tengu und dem Mönchsorden der yamabushi (wörtlich. "Bergmönche"). Die yamabushi wirkten wegen ihrer magischen Praktiken leicht unheimlich, sie sonderten sich von den übrigen buddhistischen Sekten ab, führten ein unstetes Wanderleben und hielten sich zu asketischen Übungen oft während langer Zeit im Gebirge auf, in Gegenden, die beim gewöhnlichen Volk als Sitz von Totengeistern und Dämonen tabuisiert waren. Es kam so weit, dass tengu und yamabushi miteinander identifiziert wurden; in bildlichen Darstellungen tragen die tengu oft die besondere Kleidung der yamabushi.

Kappa, oni und tengu sind wohl die bekanntesten japanischen Dämonen, aber es sind nur drei unter unzähligen. Meere, Flüsse und Seen, Berge und Wälder, Friedhöfe und leere Häuser waren von vielgestaltigen Kreaturen bewohnt, und auch die Städte blieben davon nicht verschont. Meist treten solche Wesen als Einzelgänger auf, doch in manchen Geschichten schließen sie sich zum "nächtlichen Zug der hundert Dämonen" (hyakki yagyô) zusammen. Diese Vorstellung war seit der Muromachi-Zeit (15.-16. Jh.) als Thema von Bildrollen beliebt, denn sie bot Malern die Möglichkeit zur ungehinderten Entfaltung schöpferischer Fantasie.

Weitere Informationen zu diesem Fabelwesen sind in Vorbereitung und folgen in Kürze.