Shinôbi

Hattori(-gumi):
Eine der 45 Familien der Iga-ryû Tradition. In den japanischen shinobi-Analen war die Hattori-gumi zweifelsohne die berühmteste in Iga. Ihren Ursprung führen sie zum einem auf die Ôtomo, deren Mitglieder im Kaiserhaus vor allem wegen ihres Wissens über Kriegsführung geachtet waren, als auch auf Migranten aus China zurück. Den Söhnen der Hattori-gumi wurde später erlaubt, ihre eigenen Familienzweige zu gründen und sogar ihre eigenen Familienwappen (mon) zu tragen. Einige Historiker sind der Ansicht, dass die Spaltung der Familie von Iga Heinai Saemon no Jo Ienaga ausging. Er soll seinem ältesten Sohn Hei Taro Koreyuki das Recht übertragen haben, den Familiennamen Kamihattori anzunehmen; das Wappen bildete zwei Pfeilkerben (yahazu-nihon). Heijiro Yasuyori, der mittlere Sohn, nahm den Familiennamen Nakahattori an, auf seinem Wappen führte er ein Komma (ichi-tomoe) und Heijiro Yasunoriô, der Jüngste, nannte sich Shimohattori, sein Wappen schmückten acht Pfeilspitzen in einem Kreis (yaguruma). Die Erlaubnis, eigene mon zu tragen deutet auf die Tatsache hin, dass die Familien, dem Rang eines samurai gleichgestellt wurden.
Während der Tenshô Ära (1573-92), in der Oda Nobunaga die Region Ise unter seine Herrschaft brachte, wurde auch die Provinz Iga angegriffen (Iga no ran). Oda Nobuo, der zweite Sohn Nobunagas, befehligte im Jahre 1579 eine Invasion und wurde geschlagen. Bei dem zweiten Einmarsch, den dann sein Vater Nobunaga leitete, kommandiere er eine Armee von 10.000 Mann. Alle drei Hattori-Familien der Iga-gumi wurden fast völlig vernichtet. Den Chroniken folgend gelang lediglich 80 Überlebenden die Flucht, sie zerstreuten sich in unterschiedliche Landesteile. So flohen die Kamihattori in das Dorf Nagaoka in der Provinz Echigo. Den Nakahattori gelang die Flucht hinauf in die Takano-Berge, und Mitglieder der Shimohattori erhielten eine Anstellung durch die Tokugawa-Familie in der Provinz Mikawa sowie von der Ochi-Familie im Dorf Takatori in der Provinz Yamato.

Hattori Hanzô Masashige:
(1541-1596) Der wohl berühmteste ninja in der japanischen Geschichte war zweifellos Hanzô. Geboren in der Provinz Iga als Sohn des samurai Hattori Hanzô Yasunaga. Früh im Waffenhandwerk geübt, nahm er bereits im Alter von 16 Jahren an seiner ersten Schlacht teil, als 1557 Tokugawa Ieyasu die Burg Udo in der Provinz Migawa belagerte. Hier stellten sich auch seine ersten militärischen Erfolge ein, indem er zusammen mit 11 ninja aus Iga einen wagemutigen Nachtangriff durchführte. Schon bald nannte man ihn Oni-Hanzô) »Hanzô den Geist« und selbst die Tokugawa lobten seine hervorragenden Leistungen. In späteren Schlachten, Anagawa (1570) und Mikatagahara (1572), rühmten sie ihn bald als »Hanzô der Teufel« und ebenso seine Fähigkeiten im Umgang mit dem yari. Doch sein Spitzname war nicht nur eine Homage an seine besonderen Geschicke, sondern unterschied ihn auch von einem anderen Mikawa-samurai namens Watanabe Hanzô. Das Mikawa monogatari vermerkt hierzu: Tokugawa Ieyasû beste samurai waren Hattori Hanzô (Hanzô der Teufel), Watanabe Hanzô (Speer-Hanzô) und Atsumi Gengo. [Turnbull erwähnt in seinem »Samurai-Sourcebook« interessanterweise einen Watanabe Hanzô Moritsuna unter dem Spitznamen »Devil-Hanzô«].
Seine tatsächliche Eigenschaft als ninja-jonin der Iga-gumi wurde zu seinen Lebzeiten nie thematisiert, vielmehr war er im Volk überall nur als bushi aus Iga bekannt; lediglich die Tokugawa kannten sein Geheimnis. Die Hattori waren keine watari-ninja, die ihre Dienste an jeden zum höchsten Preis verkauften, sie standen loyal zur Tokugawa-Familie. Nicht zuletzt auch aus der schrecklichen Erinnerung, die mit der Vertreibung des Clans aus ihrer Heimat Iga im Jahre 1581 durch Oda Nobunaga noch in jeden von ihnen lebte. Umso freudiger vernahm Hanzô die Nachricht von der Ermordung Nobunagas durch Akechi Mitsuhide im Jahre 1582.
Seine wohl berühmteste Mission wurde ihm 1582 angetragen. Zu diesem Zeitpunkt war Tokugawa Ieyasu mit nur wenigen Männern auf dem Weg zurück in seine Heimatprovinz Mikawa und hielt sich in einem Dorf namens Honnoji nahe Osaka auf, als er überraschend von Akechiôs Truppen angegriffen wurde. Sie blockierten seine Reiseroute und er geriet in starke Bedrängnis. Hanzô schlug daraufhin einen Weg durch die Iga-Region vor. Dies war keine leichte Entscheidung, denn allen war noch das in Iga stattgefundene Gemetzel Nobunagas zwei Jahre zuvor in guter Erinnerung. Honda Tadakatsu, ein Vasall Ieyasus und Teilnehmer an seinen Kriegszügen, übergab Hanzô daraufhin die Führung, in der Hoffnung, dass der Mann aus Iga sich nicht nur als Begleiter sondern auch als Beschützer seines Herrn bewähre. Zusammen mit Taro Shiro, einem kôka-ninja, und einigen weiteren ninja, gelang es ihnen, Ieyasu unbeschadet durch die Provinz zu bringen und ihm so die Flucht nach Okazaki-jo zu ermöglichen. Was man von Anayama Beisetsu, der zur Ablenkung einen anderen Weg einschlug, nicht sagen konnte, er wurde unterwegs ermordet. Alle Verdienste Hanzôs um die Familie Tokugawa erhöhten sein Ansehen, so dass er schließlich den Rang eines yoriki bekleidete und zum Befehlshaber einer 200 Mann starken Einheit von Iga-ninja, die mit der Bewachung des Tokugawa-Schlosses in Edo beauftragt war, benannt wurde. Er selbst wohnte auf einem Grundbesitz außerhalb des später nach ihm benannten Hanzô no mon (Hanzô-Tor). Seine ninja lebten im so genannten Iga-cho, einem Stadtteil in Edo.
Über den Tod von Hanzô existieren unterschiedliche Legenden. So wird berichtet, dass er an einer Krankheit starb. Turnbull verweist auf eine Anmerkung im Shinchôkô-ki der vom "Tod eines Hattori" berichtet, leider ohne näher darauf einzugehen. Andere Quellen berichten, dass er im Dezember 1596 während eines Angriffes auf Mitglieder der Fuma-ryû aus Kaganawa ums Leben kam. In Booten waren er und seine Truppen den Gegnern auf das Meer gefolgt, doch die Fuma-ninja benutzten Unterwassertechniken, um die Ruder der Hattori-Truppen zu zerstören. Hanzô machte einen entscheidenden Fehler, als er seinen Männern den Befehl gab in die Fluten zu springen, um an Land zu schwimmen. Diesen Augenblick abwartend zündeten die Gegner zuvor ins Wasser geschüttetes Öl an; Hanzô und seine gesamte Mannschaft kamen in den Flammen um oder ertranken. Erst später konnte sein Sohn Hattori Masanari Masashige Iwami no kami diese Niederlage rächen.
In Japan existieren über die populäre Gestalt des Hattori Hanzô eine Unzahl von Romanen und Filmen, in denen er als Chef des Geheimdienstes der Tokugawa dargestellt wird und Ieyasu den Weg zum shogûn ebnet.
[Lit.: Ninja, by Turnbull; The life of shogôn Tokugawa Ieyasu, by Sadler; Tokugawa Ieyasu: Shogûn, by Totman, Shinobi-daijiten, by Ettig, Introductory History to the Schools of the Bujinkan, by Richardson; Ostasiatische Kampfkünste - das Lexikon, by Lind; Japan-Handbuch, by Rammig; The Mystic Arts of the Ninja, by Hayes; Ninpô Ninjutsu, by Yamashita, Nihon-moncho – Japanisches Wappenbuch, by Ströhl.]