Seppuku

"Dem Tod kann niemand entgehen", diese Bemerkung des römischen Redners Cicero (106 - 43 v. Chr.) ist als geflügeltes Wort in vielen Kulturen bekannt. Der Tod gehört nun mal zum Leben wie das Leben zum Tod, doch wie eben jener Tod den Menschen ereilt, ist vielfältig. Ob natürlich, durch Unfall, Krankheit oder Verbrechen läßt sich nicht selbst bestimmen. Sich selbst das Leben zu nehmen hingegen, unterliegt in der Regel einer Autonomie. Diesen "Sokratischen Tod", ob nun privat, religiös, politisch, gesellschaftlich oder militärisch motiviert, ist seit altersher ein Phänomen vieler Kulturen. Auch die Motive für eine Selbsttötung sind vielschichtig: Angst vor Strafe, Demütigung, Ehre, Eifersucht, Elend, Krankheit, körperliche Leiden, Liebe, können Gründe sein. Der Suizid wird vom Einzelnen als letzter (heroischer) Akt der Selbstbestimmung begriffen. In diesen Kontext gehört auch der im Westen als harakiri (Bauchaufschneiden) bekannte und in Japan als ein durchaus regelhafter, normativ akzeptierter Akt der rituellen Selbstentleibung. Wobei die Bezeichnung "harakiri" eigentlich einer eher vulgären Ausdrucksweise gleichkommt. Die in Japan gebräuchliche, formgewandte Benennung hingegen heißt seppuku (glücklicher Abschied).

Auf der vorliegenden Seite wird der rituelle, mittelalterliche Suizid Japans in seinen historischen Facetten demnächst beleuchtet.